CFOs von Startups

Was CFOs von Startups lernen können: Ein Interview mit dem CEO von ScaleUpLab

Der Aufgabenbereich eines CFOs im Startup kann sich mitunter erheblich von seiner traditionell geprägten Rolle bei großen Konzernen unterscheiden. Monatsabschlüsse rücken in den Hintergrund, während den Finanzvorstand der Startups vielmehr ein zukunftsorientiertes, strategisches Handeln auszeichnet.

Ganz wie sich moderne Unternehmen von bestehenden Strukturen inspirieren lassen, können deshalb auch CFOs von Startups und deren unkonventionellen Perspektiven profitieren.

Sebastian Janus von ScaleUpLab weiß, wie groß aktuell der Wunsch zur Veränderung ausfällt. Zahlreiche CFOs wachsen über ihre Position im Konzern hinaus, sind in unternehmerische Entscheidungen involviert, agieren proaktiv und vorausschauend.

Zudem wird Digitalisierung immer wichtiger. Hier erweisen sich die richtigen Tools als entscheidend: 61 von 100 CFOs deutscher Großunternehmen geben an, in naher Zukunft verstärkt in immaterielle Vermögenswerte zu investieren.

Denn eine Optimierung der alltäglichen Prozesse kann enorme Vorteile bringen. Wie sich die ersten Schritte erfolgreich umsetzen lassen und der Wandel zum CFO eines Startups gelingt, erklärt Sebastian in einem Gespräch.

Zwischen Startup CFO und Finanzvorstand eines Global Players

Sebastian ist den Weg vom Konzern CFO hin zum CEO und Finanzvorstand eines Startups selbst gegangen – sogar in beide Richtungen. Die Reise begann 2005 mit der Gründung von Tredex. Das damalige Startup leitet heute den gesamten E-Commerce des Sportartikelherstellers Runners Point. Nach der vollständigen Übernahme wechselte Sebastian zum Mutterkonzern Foot Locker. Als CFO führte er dort die europäische Finanzabteilung zum Erfolg, bis er sich nach einigen Jahren erneut selbstständig machte.

 

„Je mehr Erfahrungen ich sammelte, desto deutlicher wurde mir bewusst, dass die Corporate Welt nichts für mich ist. Ich wollte weg von den unendlichen Excel- Tabellen, dieser ständigen Vor- und Nachbereitung der Abschlüsse und wieder wie ein Unternehmer denken, etwas Großes gemeinsam mit meinem Team aufbauen.“

 

So entstand ScaleUpLab, ein Startup, das anderen Unternehmen in ähnlichen Situationen beratend zur Seite steht und bei der Bewältigung typischer Skalierungsherausforderungen hilft.

Daneben nutzt Sebastian seine Expertise als Interim CFO in weiteren Startups. „Die Nachfrage nach erfahrenen Spezialisten ist riesig. Deshalb auch unsere Vision, das Thema Beratung für Startups und Scaleups breiter aufzustellen. Eine Plattform muss her, die alle Fragen hinsichtlich Digitalisierung für die Finanz- und Rechtsabteilung sowie das Personalmanagement anschaulich beantwortet. Das ist unser Ziel mit ScaleUpLab. Dafür gibt es jede Menge hilfreicher Tools. Wir empfehlen zu Beginn stets einen Blick auf das eigene Subscription Management zu werfen.”

CFOs von Startups: Sebastian Janus

Unternehmerisches Denken statt Accounting-Brille

Darin liegt für Sebastian der Hauptunterschied zwischen dem Finanzvorstand eines Startups und dem CFO eines Konzerns: In einem Startup besitzt der CFO ebenfalls das Mindset eines Unternehmers. Ein Großunternehmen lagert strategische Entscheidungen hingegen für gewöhnlich in entsprechende Abteilungen aus. Der CFO bleibt in seinem Reich und konzentriert sich ganz auf die Buchführung.

Dagegen passt ein Startup CFO derartige Prozesse in regelmäßigen Abständen an, insbesondere dann, wenn das Geschäft rasant wächst.

 

„Das ist eine völlig andere Einstellung, die sich in allen Strukturen der Unternehmung widerspiegelt. Veränderungen können zeitnah erreicht anstatt immer nur mitbegleitet werden. In fast jedem Startup herrscht dieses flexible und dynamische Umfeld, das ich mittlerweile sehr zu schätzen weiß. Jede Woche bringt neue Aufgaben mit sich, ganz anders als bei einem Konzern.”

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Vom CFO Polizist zur Startup Schlüsselrolle

In einem Startup ist der CFO von Grund auf mehr involviert. Er sollte die wichtigen Zahlen jederzeit im Kopf haben, um den Gesamtüberblick zu bewahren. „Dann weiß man auch, an welcher Schraube man drehen kann, falls etwa ein Teil des Budgets in diesem Moment im direkten Vertrieb besser aufgehoben wäre als beispielsweise beim Marketing.“ Der Finanzvorstand eines Startups versteht sich als Profitcenter gegenüber dem Costcenter der Konzerne, seine Bemühungen sind zunehmend zukunftsorientiert.

 

„Um bei dem Beispiel zu bleiben: Ich spreche oft mit CFOs, die sich in ihrem Job wie Polizisten fühlen. Sie haben auf jeden Euro zu achten, ohne dabei die Skalierung des Unternehmens fördern zu können. Da wird dann dem Vertrieb das Budget noch gekürzt, weil das irgendwann einmal so beschlossen wurde.“

 

Der Fokus sollte jedoch darauf liegen, den Betrieb zum Erfolg zu führen. Diese Veränderungsbereitschaft, die tief im Wesen jedes Startups und deren CFOs verankert ist, erweist sich als wichtige Lektion, von der selbst Weltkonzerne noch lernen können.

Community Building in Zeiten zunehmender Digitalisierung

In dieser Hinsicht haben die CFOs von Startups die Nase vorn. Sie beeinflussen zentrale Entscheidungen und damit die Ausrichtung des Unternehmens. Das setzt natürlich ein grundlegendes Interesse an solchen Themen voraus.“

So behält auch der Finanzvorstand eines Startups die Trends der Branche im Blick, beschäftigt sich mit neuen Tools sowie deren Integrationsmöglichkeiten und arbeitet an der Digitalisierung. Einer repräsentativen Umfrage zufolge schätzen die Führungsetagen deutscher Startups den Einfluss verschiedener Digitalisierungsvorhaben auf den wirtschaftlichen Erfolg nach wie vor als hoch bis sehr hoch ein.

„Die Rolle des CFOs kann und wird sich demnach in den nächsten Jahren stark verändern. Wer mit der Zeit gehen will, sollte sich also besser schon heute anpassen und den eigenen Horizont etwas erweitern. Wenn zum Beispiel die Fülle an Tools, die auf dem Markt existieren, im ersten Schritt überfordert, empfehlen wir stets Referenzgespräche mit anderen Konzernen oder gleich mit der Kundschaft. Echte Einschätzungen erweisen sich für die Entscheidungsfindung als essenziell. Damit kann in kleinem Rahmen begonnen werden: Das berufliche Netzwerk weiter ausbauen, den Kontakt suchen, aktiv werden. Nach einer gewissen Zeit stellt sich automatisch das Mindset um und man agiert wie der CFO eines Startups.”

Die Flexibilität eines CFOs im Startup

Gleichzeitig gilt es zu bedenken, dass die Beschaffenheit von (multinationalen) Großunternehmen Vor- und Nachteile mit sich bringt. Vor allem die Größe der Belegschaft wirkt sich direkt auf die Möglichkeiten des Einzelnen aus. „Entscheidet sich der CFO eines Startups beispielsweise für eine neue Buchhaltungssoftware, betrifft dieser Wechsel vielleicht eine Handvoll Mitarbeiter plus Steuerberater – entgegen ganzer Abteilungen in einem Konzern. Dort haben Probleme bei der Implementierung somit weitreichende Auswirkungen.“

Der Finanzvorstand des Startups hat entsprechend größere Freiheiten zum Experimentieren. Zudem lassen sich Prozesse schneller umsetzen, wenn die Unternehmenspolitik außen vor bleibt.

 

„In bestehenden Konzernen müssen immer unzählige Ansprechpartner mit noch mehr Titeln durchlaufen werden, die sich häufig in weiteren Komitees zeitintensiv beraten. Bei einem Startup arbeiten wir wiederum Hand in Hand mit den Gründern oder engsten Vertrauten, die ihre Vision ungefiltert weitergeben.“

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Testphasen mit Praxiswerten untermauern

„Stellen wir uns kurz vor, unsere Firma sucht ein neues Tool zur Abrechnung der Reisekosten und Rydoo macht einen guten Eindruck. Ein Konzern wie Foot Locker berechnet zunächst verschiedene Kennzahlen und stellt diese gegenüber. Wie viel Produktivität gewinnen wir durch die App, was wird durch die papierlose Abwicklung im Detail eingespart? Wichtige Fragen, die eine Implementierung allerdings erheblich verzögern. Der CFO eines Startups sieht dagegen die einmonatige Kündigungsfrist und denkt sich, toll, testen wir das Tool doch einfach! Praxiswerte hebeln theoretische Überlegungen fast immer aus.

Dieser Spielraum fehlt einem Großkonzern. Einen Tipp hat Sebastian aber zum Abschluss, der bereits in vielen Fällen von Erfolg gekrönt war: „CFOs und andere Entscheidungsträger vergessen gerne, dass solche Anpassungen nicht gleich flächendeckend im ganzen Unternehmen umgesetzt werden müssen. Besser sucht man sich eine Abteilung als Testgruppe heraus, die nach einem bestimmten Zeitraum von ihren Erfahrungen berichtet. Schritt für Schritt lautet die Devise.“ CFOs eines Startups können vielversprechende Tools sogar selbst ausprobieren.

Das Engagement macht den Unterschied.

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